Rathausbrand und Ständesaal

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Am 8. November 1948 brannte das Rathaus. In der vom Magistrat herausgegebenen Schrift  “Das Idsteiner Rathaus 1698-1998”, Idstein 1998 heißt es auf Seite 73 (Brandschaden und Schadensregulierung):

“Zerstört wurde in erster Linie die anspruchsvolle Ausstattung von Ständesaal und Bürgermeisterzimmer....
...Die Schadensaufstellung nennt an Gegenständen den großen eichenen Sitzungstisch... sowie drei Ölgemälde des Idsteiner Malers Ernst Toepfer...”
Hierzu unten ohne Kommentar ein Zeitungsartikel  vom 26. 6. 1937 in der Idsteiner Zeitung, am Anfang stark gekürzt von Peter Faust.
Die Bilder dazu stammen nicht aus diesem Zeitungsbericht.

Das Idsteiner Rathaus und sein Ständesaal
Max Kirmsse

“...im Treppenhaus
(Treppengeländer nach Vorbild der Treppe im Haus der Druckerei Grandpierre, Obergasse (Ergänzung von pf nach Mitteilung von Georg Grandpierre senior †).)

..."Gefesselt von der farbigen Lichtflut, die durch vier große Fenster in der Rückwand hereinströmt, lassen wir zunächst die darin enthaltenen "Glasgemälde des deutschen Handwerks" von Professor F. Heubner (aus Nürnberg, pf) auf uns wirken.
Sie symbolisieren durch Gestalt und Beruf des Waffenschmieds den wehrhaften Geist des deutschen Volkes.
1. Die Aufnahme des Waffenlehrlings
Stolz steht der Meister, sich seines Wertes wohl bewußt, vor dem mächtigen Amboß. In der rechten Hand hält er den wuchtigen Hammer, während die Linke sich auf das fertige Schwert stützt. Zwei geschmiedete Speerspitzen liegen davor. Mit dem freien Blick des verbrieften Meisters empfängt der Lehrherr den vom Vater geleiteten Lehrjungen, der, ehrlicher Leute ehrlicher Sohn, die mehrjährige Handwerksschulung heute beginnt und fleißig, gehorsam und willig seine zeit auszuhalten hat. Der Meister dagegen wird ihm alle Kunstgriffe seines Handwerks sorgfältig beibringen, damit er einst als kundiger Geselle seinen Weg weiterfinden möge.

2. Der Geselle wird losgesprochen
Vorüber sind die Jahre ersten ernsten Strebens. Die vollendete Lehre weist das angenommene Gesellenstück nach, das der Obermeister aus den Händen des Lehrbur- schen als Zeuge seines Könnens entgegennimmt. Es wird mit dem begehrten Gesellenbrief belohnt werden.

3. Der neue Waffenmeister
Wieder sind geraume Zeiten in das Land gegangen. Der Geselle hat sich in der Welt umgesehen und sein Können im Handwerk allseitig vermehrt. Die größte Stunde des Lebens naht. Durch ein tadellos geschmiedetes Schwert nach eigenem Entwurf ist der Jungmeister für würdig befunden, sein Meisterstück am gewohnten Amboß den gestrengen Lehrmeistern zu überreichen. Den Zunftsatzungen ist genüge getan. Der Obermeister, mit der kostbaren Innungskette als Zeichen seines Vorrechts, kann den mit großem Insiegel rechtsgiltig versehenen Meisterbrief feierlich aushändigen. Der übliche Meistertrunk wird folgen und bald kann einen neugegründete Handwerkerfamilie der Gemeinschaft angehören und die geheiligten Überlieferungen weiter in die Zu-kunft tragen.

4. Der Aufbau der ständischen Gliederung des deutschen Handwerks
Eine kühn in die Höhe wachsende Eiche versinnbildlicht die Organisation des gesamten Handwerkertums bis zur Reichshandwerkerschaft mit dem Reichshandwerksmeister an der Spitze.”

 

“Der Ständesaal der Idsteiner Ratsherren
....
....Es ist der erste seiner Art, der nach dem Grundsatze nationalsozialistischer Kulturauffassung in Deutschland hergerichtet worden ist, würdig und doch in einfachem Stil gehalten.
.....Der urgroßväterliche grüne Kachelofen reicht bis an die Decke...
...Den größten Teil des Ständesaales nimmt der mächtige Ratsherrentisch in Hufeisenform ein:
...Stirntafel mit zwei Seitenflügeln in braungetönter Eiche..
Schriftband an der inneren Seite...eingeschnittene altgermanische Runen, die mit Kernworten des Nationalsozialismus abwechseln.”

links:                                            
Rune "teiwos" = Gott                  Kernwort Blut                               R mamos = Mensch, Mann         K Boden                                        R peord = Garten                         R wunia = Freude,
Zufriedenheit 
K Ewigkeit
                                
Stirnseite:
R othal = odal, Landbesitz
R geba = gute Gabe

rechts:                   
R thurisos = Tur, der Riese
K Ehre
R kina = Fackel
K Freiheit
R ehwos = Pferd
K Vaterland
R raida = Rad, Wagenrad


 

“Die vier Gemälde...wurden 1934 vom Idsteiner Maler Toepfer geschaffen.
1. Adolf Hitler im schlichten Braungewand (links neben dem Ofen), dann, an der Nordwand
2. Rathaus und Burgtor im Mondenschein
3. Blick über die Taunuslandschaft nach dem Feldberg
4. Stadttor mit Bergfried zur Winterzeit”

Das Amtszimmer des Bürgermeisters
...eine Reihe von Kunstverglasungen. Einzelne Fenster zeigen in Wiederholung das symbolische unverwüstliche Eichenblatt, andere sind mit Wappen geschmückt.
4. Fenster
links Das Idsteiner Wappen
rechts Das deutsche Reichswappen
5. Fenster
links Das preußische Wappen
rechts Das altnassauische Wappen...”
(Hier endet die Beschreibung von M. Kirmsse.)

“Die farbigen Kunstverglasungen, ebenfalls von Prof. Heubner

Die Gesamtzahl der verglasten Scheiben beträgt 58, die sich auf 24 Flügel der 12 Saalfenster entsprechend verteilen. Von den beiden Arten der Glasmalerei wurde hier die sogenannte m u s i v i s c h e gewählt.
Sie besteht… darin, daß das Bild auf einzelne Glasteile aufgetragen (wird) und dann durch Bleifassungen zu einem Ganzen verbunden, als "Scheibe" in den Rahmen eingefügt werden muß.
...Die Betrachtung der einzelnen Darstellungen beginnen wir links hinter dem Eingang zum Bürgermeister=Amtszimmer.

I. Gruppe:
Idsteins ältere Zeit innerhalb der Landesgeschichte vom 14. bis in den Anfang des 18. Jahrhundert
1. Fenster
Aus der Regierungszeit des Grafen Gerlach von Nassau=Idstein (1305-1346)
linker Flügel
oben Gerlach gest. 1361
Mitte der privilegierte Wochenmarkt in Idstein
unten Burg
2. Fenster, linker Flügel
oben Graf Adolf I. von Nassau=Idstein (1361-1370)
unten Graf Adolf II. von Nassau=Idstein (1393-1426) auf der Reiherbeize


3. Fenster, linker Flügel
obenGraf Philipp von Nassau=Idstein (1480-1509)
unten  Graf Philipp von Nassau=Idstein (1511-1558)

4. Fenster, linker Flügel
oben Graf Balthasar von Nassau=Idstein (1564-1568) und sein Sohn
Graf Johann Ludwig I (1568-1596)
unten Graf Johannes von Nassau=Saarbrücken (1627-1677)

II. Gruppe.
Idsteiner Handwerk einst und jetzt

5. Fenster, linker Flügel
oben Bauhandwerker
Mitte Der Glaser
unten Handwerksburschen
6. Fenster, linker Flügel
oben Der Bauernstand
unten Wagner, Schmied und Sattler


7. Fenster, linker Flügel
oben Zwei Schornsteinfeger..., daneben der hlg, Florian...
unten Bäckerjunge und Metzgersbursch
8. Fenster, linker Flügel
oben Der Kaufmann...und sein Markthelfer
Mitte Der schmucke Jäger
unten ...der goldene Amtslöwe
9. Fenster. Ein Kapitel vom Idsteiner Leder.

linker Flügel
oben Gerber
unten Spritzverfahren im Farbschrank

III. Gruppe.
Idsteins jüngste Vergangenheit

10. Fenster Die nationalsozialistische Jugend
linker Flügel
oben Sport und Wanderungen
unten Landjahr

11. Fenster. Der Weltkrieg und was er mit sich brachte.
linker Flügel
oben 1914 ersteht einen Front....
Mitte Das Heer kehrt unbesiegt in die Heimat zurück...
unten Da versucht auch der marxistisch-bolschewistische Stiefel, die deutsche Eiche zu zertrampeln,...
12. Fenster. Idstein im Reiche Adolf Hitlers.
linker Flügel
oben Die arg zersplitterte deutsche Eiche sieht noch schlimm aus....
unten...Heil Hitler! Und im Wehen der Hakenkreuzbanner...”

“1. Fenster, rechter Flügel
oben Bau der Stadtmauer
unten Bau der Martinuskirche



2. Fenster, rechter Flügel
oben Graf Walram von Nassau=Idstein (1370-1393), erbaut die Schutzburg Wallrabenstein
unten Graf Johannes von Nassau=Idstein (1426-1480)

3. Fenster, rechter Flügel
oben Graf Adolf III von Nassau=Idstein (1480-1511)
unten Graf Philipp II von Nassau=Idstein der Jungherr (1558-1564)
untere Doppelscheibe Ansicht von Idstein um1400
4. Fenster, rechter Flügel
oben Graf Johann Ludwig II von Nassau=Idstein (1596-1605),
Graf Ludwig von Nassau= Saarbrücken-Weilburg-Idstein (1605-1627)
unten Fürst Georg August von Nassau=Idstein (1677-1721)

II. Gruppe.
Idsteiner Handwerk einst und jetzt

5. Fenster, rechter Flügel
oben Dachdecker und Spengler
unten Schlosser und Anstreicher

6. Fenster, rechter Flügel
oben Die Hausangestellte und der Gärtner
Mitte Schneider, Haarkünstler und Schuhmacher
unten Ein vor Erwartung rotglühendes Herz, das flammende Wahrzeichen der liebesseligen Jugend,...
7. Fenster, rechter Flügel
oben Die Feuerwehr
unten Bierbrauer und Gastwirt
8. Fenster, rechter Flügel
obenBuchdrucker und Buchbinder
unten Holzfäller

9. Fenster, rechter Flügel
oben...Bottichen das Leder zurechtfärben...
Mitte So können...Meister...die schönsten Felle...vorweisen
unten ...im Nassauischen Gewerbeverein zusammengeschlossen....


III. Gruppe.
Idsteins jüngste Vergangenheit

10. Fenster, rechter Flügel
oben...Beschäftigen...Probieren und Experimentieren...
unten Der Arbeitsdienst...


11. Fenster, rechter Flügel
oben Spartakisten
unten ...Separatistische Verbrecher...


12. Fenster, rechter Flügel
Mittlere Scheibe (wohl: obere, pf)...Siegreich schwebt der deutsche Adler über der Stadt...unten...und der neugepflanzte Baum des Deutschen Reiches mit den ..Blättern Ehre, Freiheit und Arbeit...”
es folgt: (oben drüber) “Das Amtszimmer...pf)

 

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